Shooting Preise: gerechtfertigt oder überzogen? – Auf der Suche nach einem geeigneten Fotografen für die Hochzeit, die Taufe oder einfach nur um schöne Bilder zu erhalten, kommt man oft ins staunen. Bei manch einem Fotografen denkt man sicher schnell mal an Begriffe wie Abzocke oder Halsabschneider. Da findet man Preise für einen Hochzeitsfotografen ab 1.000 € aufwärts von denen man glaubt sie seien jenseits von gut und böse. Aber warum ist das so, weshalb haben Fotografen teilweise solch hohe Preise? Die Hintergründe möchte ich nun einmal beleuchten, sowohl aus Sicht des Fotografen, als auch der des Kunden.

Wie hoch ist der Aufwand für ein einstündiges Fotoshooting?



Nehmen wir an, ein einstündiges Indoor Shooting kostet 149€. Das sind recht gängige Shooting Preise. So viel Geld für eine Stunde Arbeit? Das ist doch unverschämt solche Shooting Preise zu verlangen mögen die meisten denken. Ohne zu wissen, welche Arbeit hinter den Kulissen steckt, klingt das tatsächlich erst einmal unverschämt. Also blicken wir einmal hinter die Kulissen.

  1. Bevor es überhaupt zu einem Shooting kommt, beginnt alles mit der Kontaktaufnahme. Hier beginnt bereits die Arbeit. Der Kunde wendet sich mit seinem Anliegen an den Fotografen und bespricht dies mit ihm. Das dauert bei sorgfältiger Besprechung gut 15 Minuten.
  2. Nachdem alles Besprochen ist, weiß der Fotograf was zu tun ist und bereitet das Shooting vor. Gehen wir von einem einfachen Portrait Shooting mit Standard Setup aus, genügen hier 15 Minuten als Zeitansatz.
  3. Die Einstellung des Setups insbesondere der Blitze nimmt etwa 10 Minuten in Anspruch.
  4. Danach folgt das Shooting mit 60 Minuten.
  5. Nun kann man mit dem Kunden sofort die Bilder sichten oder eben später. Gehen wir davon aus, die Bilder werden nach dem Shooting vom Fotografen erst einmal vorsortiert, schlechte Bilder die Unschärfe oder ähnliches enthalten werden schonmal aussortiert. Das dauert etwa 30 Minuten.
  6. Nun stellt man dem Kunden die Bilder online oder auf Datenträger bereit, damit er seine Auswahl für die Bearbeitung treffen kann. Ein Mittelwert von 10 Minuten ist recht angemessen.
  7. Der Kunde hält nach der Auswahl noch einmal Rücksprache mit dem Fotograf, auch das dauert ungefähr 10 Minuten.
  8. Ist nun die Bearbeitung dreier Bilder vereinbart, kann man etwa 30 Minuten pro Bild einplanen. Macht 90 Minuten in der Summe.
  9. Ist die Arbeit erledigt muss noch ein Quittungsbeleg oder eine Rechnung erstellt und die Bilder dem Kunden übergeben werden. 10 Minuten sollten dafür ausreichen.

Hast du mitgerechnet? In der Summe sind wir nun bei 250 Minuten, macht 4 Stunden und 10 Minuten. Das mach nun einen Stundenlohn von rund 35,77€. Klingt ja ganz gut, wer hat den schon? Doch das ist leider Brutto und davon geht etwas mehr ab als die Arbeitnehmerabgaben bei einem Angestellten.

Welche Kosten trägt ein Fotograf?

Fixkosten die ein Fotograf hat sind

  • ggf. Raummiete
  • Versicherungen wie Kameraversicherung und Betriebshaftpflicht
  • Rechtsschutzversicherung
  • Unfallversicherung
  • Kosten für Marketing
  • Die eigene Homepage
  • Ein Steuerberater ist von Nöten
  • Berufsverbände wie die Handwerkskammer
  • Rundfunkgebühren, muss leider jeder Haushalt zahlen
  • Krankenversicherung
  • Freiwillige Arbeitslosenversicherung
  • Rentenversicherung
  • Telefon, Internet und Portokosten
  • Verbrauchsmaterial
  • Kfz-Kosten

Abhängig von der Raummiete und Kfz-Kosten dürften hier 2.000 € pro Monat realistisch sein. Dazu kommen dann noch diverse variable Kosten, etwa für Kamera, Objektive, Blitze oder Software. Mit 500 € je Monat sollte man da gut aufgestellt sein.

Die Shooting Preise erweisen sich als nötig

Wir haben jetzt also Kosten von etwa 2.500 € pro Monat, die erst mal rein müssen. Allein um Kostendeckend zu arbeiten, muss der Fotograf fast 70 Stunden arbeiten oder 17 Shootings ableisten. Nun ist es aber nicht so, dass ein Fotograf rein 160 Stunden im Monat den Fotoshootings widmet. Das Marketing und der Steuerberater nehmen Zeit in Anspruch, hinzu kommen Wegezeiten für fahrten zum Kunden oder zu Outdoor Shootings, Software Installation und Updates, erstellen neuer Angebote, testen neuer Setups und Equipment und was sonst noch so anfällt.




Geht man hier von knapp bemessenen 20 Stunden aus, hat der Fotograf unterm Strich grade 2.500 € in der Tasche von denen er noch Rücklagen bilden sollte. Also hat er letztlich nicht mehr als ein durchschnittlicher Arbeitnehmer, er wird also von den vermeintlich unverschämt hohen Shooting Preisen für eine Stunde Shooting nicht reich und trägt das volle unternehmerische Risiko.